Die Gründung der Böischer Artillerie
Im Jahr 1933, also während einer Zeit, die eigentlich nicht gerade zu Frohsinn und Heiterkeit ermunterte, haben sich jedoch einige Bewohner Mariadorfs über den finsteren Zeitgeist hinweggesetzt und eine heute traditionsreiche Gesellschaft gegründet. Sie ist die älteste Karnevalsgesellschaft in der heutigen Stadt Alsdorf.
Der Friseurmeister Benno Engels aus der Mariadorfer Querstraße, ein Freund von Frohsinn und Humor, versammelte Freunde um sich, die eine Karnevalsgesellschaft gründen wollten. Mit Überzeugungskraft und Redegewandtheit verstand er es, eine Gründungsversammlung im ehemaligen Restaurant Anton Merkelbach anzusetzen.
Zu dieser Zusammenkunft waren zehn Interessenten erschienen. Man war sich schnell einig über Sinn und Zweck der Zusammenkunft. Nach einigen klärenden Sätzen von Benno Engels wollte man zur Wahl des Vorstands schreiten. Jedoch untersagte der anwesende, nationalsozialistische Ortsgruppenleiter die Wahl und Gründung der Gesellschaft mit den Worten: "Zur Gründung einer Karnevalsgesellschaft gehören mindestens 11 Personen. DA jedoch nur 10 Personen anwesend sind, kann ich einer Gründung nicht zustimmen."
Benno Engels, enttäuscht von diesem Argument, suchte die im selben Haus befindliche Kegelbahn auf in der Hoffnung, hier einen Freund des Karnevals zu finden. Zurück kam er mit Josef Gehlen. Somit war die Auflage von elf Personen zur Gründung der Gesellschaft erfüllt.
Die Gründungsmitglieder der KG Böischer Artillerie waren Josef Bremen, Josef Gehlen, Anton Merkelbach, Josef Leclerc, Benno Engels, Franz Ripphausen, Johann Heller, Wilhelm Esser, Nikolaus Salber, Josef Esser und Peter Herrmanns.
Die Gesellschaft wurde dann schließlich unter dem Vorsitz von Benno Engels mit dem Namen "KG Böischer Artillerie 1933 Mariadorf" gegründet.
Mariadorf war zu dieser Zeit ein Ort, in dem vorwiegend Bergleute in verschiedenen Siedlungen wohnten. Eine dieser Siedlungen hieß "Im Busch". In "Platt", der damaligen Umgangssprache, wurde sie "D'r Böisch" genannt. Da viele Mitglieder Bergleute und stolz darauf waren, aus "d'r Böisch" zu stammen, lag es nahe, die Gesellschaft "Böischer Artillerie" zu nennen. Die Farben der Artillerie sind Rot, Gelb und Weiß. Die Uniformröcke der Artilleristen sind rot mit gelben Aufschlägen, dazu werden weiße Hosen getragen.
Die erste Karnevalssitzung wurde bereits Anfang 1934 mit großer Resonanz aus der Bevölkerung veranstaltet.
Während der gesamten Vereinsgeschichte der BAM gab es nur, wie auch bei anderen Vereinen, eine Unterbrechung der Aktivitäten während des Zweiten Weltkriegs. Danach begann man ab Anfang 1946 wieder mit der Karnevalssitzung und weiteren Aktivitäten.
Das Wahrzeichen der Gesellschaft
Viele Höhen und Tiefen hat die Gesellschaft durchstehen müssen. Es waren viele Opfer nötig, um Uniformen neu zu beschaffen, die durch Kriegseinwirkungen verloren gegangen waren. Das Gleiche traf auch auf das Symbol der Gesellschaft zu, die Kanone der Artillerie. Daraufhin machten sich Christian Büttgen als Schlosser und Nikolaus Salber als Schweißer ans Werk, um in mühevoller Kleinarbeit ein neues Geschütz herzustellen. Mit dieser Kanone zogen die Artilleristen am Karnevalsdienstag durch die Straßen von Mariadorf und entboten allen Freunden und Gönnern einen Salutschuss. Eine Tradition, die sich bis in die heutige Zeit gehalten hat.
Unter den Vorsitzenden Peter Herrmanns, Christian Büttgen und Peter Havertz entwickelte sich die KG Böischer Artillerie rasch wieder zu einer stattlichen Gesellschaft. Ab 1969 übernahm Willi Voußen den Vorsitz der KG, den er mit einigen Unterbrechungen, unter anderem durch den Vorsitzenden Peter Juchem, bis 1986 innehatte. Er kaufte 1972 eine Kanone, die zwar zunächst in seinem Privateigentum blieb, jedoch bei den Karnevalsumzügen mitgeführt wurde. In einer feierlichen Übergabe im Jahre 1992 schenkte Willi Voußen seine Kanone der Gesellschaft.
In der Session 1983, als die KG Böischer Artillerie 50 Jahre alt wurde, führten Willi und Anni Voußen, als Willi II. und ihre Lieblichkeit Anni den Karnevalsausschuss Hoengen durch die Session.
1986 übernahm Heinz Cremer den Vorsitz der KG Böischer Artillerie Mariadorf.
5 x 11 Jahre KG BAM
Im Jubiläumsjahr 1988, 5 x 11 Jahre, stellte die KG abermals das Prinzenpaar für den Karnevalsauschuss Hoengen, Prinz Heinz II. (Cremer und ihre Lieblichkeit Marianne. Das Jubiläum wurde mit mehreren öffentlichen Veranstaltungen gefeiert, unter anderem in einem festlich geschmückten Zelt. Der Bürgermeister Josef Thelen, übernahm die Schirmherrschaft über die Jubiläumsveranstaltungen und der Stadtverordnete Kornelius Grond den Vorsitz des Festausschusses.
60 Jahre KG BAM
Zum 60-jährigen Bestehen der Gesellschaft, im Jahre 1993, konnte erneut ein Prinzenpaar aus den Reihen der KG für den Karnevalsausschuss Hoengen gewonnen werden. Als Prinz Klaus II. und Maritta, führten Klaus und Maritta Kerschgens die Narren durch die Session.
Zum festen Bestandteil im Karnevalsgeschehen der Artilleristen wurde der 1992 eingeführte, am ersten Sonntag im Januar stattfindende karnevalistische Frühschoppen.
1994 war ein wichtiges Jahr für die KG. Es wurde ein weiterer Meilenstein in der Vereinsgeschichte gelegt. Im Januar erfolgte die Eintragung in das Vereinsregister und die Verleihung der Gemeinnützigkeit.
6 x 11 Jahre KG BAM
Wenn man bedenkt, dass es einer Handvoll Individualisten gelungen ist, einen Brauchtumsverein zu gründen, der bis in die heutige Zeit, schnelllebige Zeit Bestand hat, dann war dieses närrische Jubiläum schon etwas besonderes. In diesem Jubiläumsjahr setzte sich die KG aus 125 aktiven und etwa 80 inaktiven Mitgliedern zusammen. Zu den Aktiven zählen die Tanzgruppen, das Trompetencorps, die Frauen- und die Gardistengruppe sowie der Ehrensenat.
Zu den karnevalistischen Aktivitäten gehören außerdem eine Galasitzung und eine Kindersitzung, die Teilnahme an den Karnevalsumzügen und der Besuch befreundeter Vereine. Außerhalb der Karnevalssession veranstaltet die KG ein Grillfest, gemeinsame Ausflüge und weitere gemeinsame Aktivitäten.
Nach den Neuwahlen des Vorstandes im Jahre 2008 erlebt die Gesellschaft wieder einen vermehrten Zuspruch und konnte viele aktive Mitglieder wieder gewinnen bzw. neu gewinnen.
Seit 2009 hat die KG eine alte Tradition wieder aufleben lassen, die Eröffnung des Mariadorfer Straßenkarnevals wie in alten Zeiten auf dem Schulhof vor dem Vereinsheim.